Ein Einblick in die Historie der Almgaststätte


alte Karte von der KälbelescheuerDer eigentliche Geburtstag der Berg- oder Almwirtschaft "Kälbelescheuer" ist der 23. Dezember 1932, denn an diesem Tag erhielt der damalige Pächter der .Kälbelescheuer" die Konzession zum Betrieb einer "Schankwirtschaft". Die recht interessante Geschichte der "Kälbelescheuer" auf dem Weg von der Viehhütte zur Almwirtschaft ist indes um etliche Jahre älter und ist eng mit dem Kloster St. Trudpert und später mit der politischen Gemeinde Untermünstertal verknüpft.

In weiser Vorahnung auf grundlegende Veränderungen in der europäischen Gesellschaftsordnung hatte der letzte Prior des Klosters St. Trudpert, Abt Columban, im Jahre 1793 große Waldgebiete aus dem Besitz des Klosters - unter anderem auch die Weide und die Viehhütte auf dem Sirnitz-Sattel der Gemeinde Untermünstertal geschenkt, womit diese Gebiete der Verstaatlichung bei der Säkularisation im Jahre 1806 entgingen. Seither sind Weide und Kälbelescheuer im Besitz der Gemeinde  Münstertal. 
Schon in jener Zeit des Besitzerwechsels von Kirche zu Kommune gab es auf dem Sattel unterhalb des Sirnitzkopfes eine Viehhütte, denn aus dem Jahre 1819 ist ein Hirt Urban Schelb bekannt, der 14 Wochen im Jahr 71 Stück "Kalbelen" auf der Sirnitz hütete (daher auch der Name "Kälbelescheuer").Nachdem die Gemeinde durch genannte Schenkung des Klosters Eigentümer  der Sirnitzweide einschließlich der Viehhütte geworden war, verpachtete sie die "Scheuer" jeweils für 6 Jahre an einen einheimischen Bürger. Wegen Unrentabilität gaben jedoch viele Pächter den Betrieb vor Ablauf der Pachtzeit auf. Hütte und Weide waren in dieser Einöde in tausend Metern Höhe den stürmischen Nordwestwinden und den eisigen Ostwinden ungeschützt ausgesetzt.


alte Karte von der KälbelescheuerIm Jahre 1840 versuchte deshalb die "Großherzogliche Bezirks- Forstey Staufen", das Weidegelände aufzuforsten, doch in zwei Bürgerabstimmungen in der "Gemeinde-Stuben" (der heutigen "Adler-Stube") sprachen sich die Bürger mit großer Mehrheit für die Beibehaltung der Jungviehweide aus. Die Gemeinde Untermünstertal bot dann am 23. Mai 1841 in einer Anzeige der "Freiburger Zeitung" die Weide auf der "Kälbelescheuer" zur Pacht an - nicht ohne Hinweis auf vorhandene "Wohnung und Stallung" und auf die vorzügliche Eignung der Weide für Rindvieh und Schafe. Nach der ersten Pächterfamilie Schelb (im Volksmund die "Chlei zirnsner" genannt), die 1866 wieder in die Halde herunterzogen, wohnte auf der "Kälbelescheuer" ein Dominik Dietsche mit seiner jungen Frau Dorli und nach und nach, sieben Buben (im Volksmund die "Großhaldener"). Weitere Pächter waren eine Familie Geiger aus dem Kaltwasser bis 1878, ein Stefan Riesterer aus dem Rammersbach bis 1890, der Gemeindewaldhüter Gutmann bis 1894, dann noch einmal Dominik Dietsche bis 1902, für zwei Jahre die Geschwister Ortlieb ("Niners" genannt), dann ein Konstantin Jehle bis 1912, Familie Wilhelm Pfefferle aus der Münsterhalde bis 1920, für drei Jahre Familie Scherer vom Hof und von 1923 bis 1929 nochmals Konstantin Jehle.

 


alte Karte von der KälbelescheuerRuhe und Beständigkeit kehrten nach dem steten Pächterwechsel erst im Jahre 1929 mit Alois Riesterer und der ihm 1936 angetrautean Anna Dietsche ein. Über dreißig Jahre lang war dieses Ehepaar mit Fleiß und Gastlichkeit hier oben tätig und verlieh der "Kälbelescheuer" in nah und fern jenen guten Ruf, den die Almwirtschaft heute noch genießt. Mit Beharrlichkeit erreichte Alois Riesterer (der "Zirnsbur Alis"), dass ihm am 23. Dezember 1932 die Konzession zu In Betrieb einer "Schankwirtschaft" erteilt wurde. Auf eigene Kosten renovierte und erweiterte der Pächter in den 30 ern" Jahren die Hütte. Mit Hilfe der Gemeinde wurde 1952 die Gastwirtschaft um einen Nebenraum vergrößert. Gemeinde, Land und Badenwerk sorgten im Jahre 1966 für den Anschluss der "Kälbelescheuer" an das elektrische Stromnetz. 
Als nächste Pächter finden sich auf der "Kälbelescheuer" Fritz Pfefferle von 1961 bis 1967 und Hermann Riesterer von 1967 bis 1977. Nach einer grundlegenden Renovierung durch die Gemeinde Münstertal mit Kosten von über 200 000 DM übernahm von 1977 bis 1985 das Ehepaar Dietsche die "Kälbelescheuer". 1985- 2001 war die Almwirtschaft unter der Leitung von Doris und Oswald Zimmermann. 
 
Am 15. April 2002 übernahm die Familie  Heribert Wiesler aus der Münsterhalde die Almgaststätte. Renovierung mit viel Eigenleistung, den Bau der neuen Westterrasse, Gastlichkeit, viel Liebe im Detail stehen jetzt als neue Marke der Almgaststätte Kälbelescheuer. 
Die Alm mit der familiengeführten Gastlichkeit ist jetzt ein weit über die Region hinaus bekanntes, beliebtes und einzigartiges Ziel im Südschwarzwald.